Greiz

3. Dezember 2011 – NPD Kreisverband erklärt Parteiaustritt

In einer Pressemitteilung geben die Vorstandsmitglieder, der Kreisvorsitz und die Beisitzer  des Greizer NPD- Kreisverbandes ihren sofortigen Rück- und Austritt aus der Partei bekannt. Dieser Schritt sei die Konsequenz aus dem Vorwurf einer möglichen Verbindung eines ehemaligen Landesvorstandsmitglieds der NPD zur sog. Zwickauer Zelle.

Inwieweit sich dies auf das Mandat von Funger und Nürnberger im Kreistag auswirkt, ist der NiP- Projektgruppe derzeit nicht bekannt.

03. März 2011 – Regionsbeschreibung

Im Landkreis Greiz besteht seit dem Jahr 2007 ein Kreisverband der NPD. Ein Ortsverband für die gleichnamige Kreisstadt wurde bereits 2006 gegründet.
Organisatorisch und personell leitet die Familie Schneider den Verband: Steffen Schneider ist als Vorsitzender, Mandy Schneider als Geschäftsführerin aktiv, ihr Sohn Thomas zählt ebenfalls zu den Vorstandsmitgliedern. Darüber hinaus kommt Mandy Schneider das Amt der Leiterin der im September 2010 gegründeten Thüringer Regionalgruppe des Ring Nationaler Frauen zu. Steffen und Mandy Schneider publizieren beide in der im Landkreis verteilten NPD-Postille »Ostthüringen Bote«.

Dem Kreisverband gehören auch ehemalige Freie Kräfte an. So kandidierte der wegen versuchter schwerer Brandstiftung auf eine Flüchtlingsunterkunft und gefährlicher Körperverletzung vorbestrafte Norman Wilkens, der sich in der Kameradschaft »Braune Teufel Vogtland« organisierte, für die jüngsten Kreistags- und Stadtratswahlen im Jahr 2009. Ebenfalls für die NPD – als ehemaliger Kreisvorsitzender – aktiv ist der Inhaber des Szene-Geschäfts »Nordlicht« Thomas Meisser, welches im sächsischen Netzschkau seinen Sitz hat. Er zeigte sich laut Presseberichten diesjährig verantwortlich für das seit Jahren regelmäßig stattfindende »Rudolf-Hess-Turnier«, das fußballbegeisterte Neonazis aus dem gesamten Vogtland anzieht.

In den vergangenen Jahren gingen weitere erlebnisorientierte Aktivitäten vom Kreisverband aus. So veranstaltete die Greizer NPD 2007 ein »Familienfest«, im Jahr 2008 dann ein »Heimatfest«, zu dem überregionale Redner und RechtsRock-Bands auftraten.

Neben der NPD existiert die Wahlinitiative »Aktion freies Ronneburg«, die zu den Stadtratswahlen in Ronneburg antreten wollte, aber aufgrund von Formfehlern scheiterte. Auf ihrer Liste waren auch Kandidaten aus dem Umfeld der NPD aufgestellt.

Die Neonaziszene in Greiz kann auf Immobilien zurückgreifen, wenn es um die Organisation von Lieder- und Kameradschaftsabenden sowie Parteiveranstaltungen in der Region geht. So werden laut Thüringer Innenministerium das »Drei-Mädle-Haus« genutzt, aber auch die »Sportlerklause Irchwitz« sowie das »Roadhouse« dienen als Anlaufpunkte.
Das Innenministerium weist für das Jahr 2009 36 rechtsextreme Straftaten auf, die im Landkreis begangen wurden. Der Großteil davon (21) fiel auf die Straftat Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, sieben Mal wurde Volksverhetzung festgestellt und sechs Mal Sachbeschädigung.

Ende 2010 tauchte die NPD erneut in Zusammenhang mit Gewaltdelikten in der Öffentlichkeit auf. Laut Ostthüringer Zeitung vom 22.12.2010 waren u.a. wegen gefährlicher Körperverletzung an einem türkischstämmigen Migranten drei Männer angeklagt, von denen zwei vorbestraft sind und einer NPD-Mitglied ist. Sie erhielten Geldstrafen.