Unstrut-Hainich-Kreis

Die extreme Rechte ist in diesem Landkreis in keinem Kommunalparlament vertreten.

Der heutige NPD-Kreisverband im Unstrut-Hainich-Kreis ging aus dem vormaligen »Großverband« Eichsfeld/Unstrut-Hainich im März 2007 hervor. Der damalige Vorsitzende Ronny Motz schaffte es nicht, den Verband zu einem aktions- und handlungsfähigen Verband aufzubauen. Aufgrund des Mangels an funktionsfähigen Strukturen und fähigem Personal trat die NPD im Juni 2009 nicht zu den Kommunalwahlen im Unstrut-Hainich-Kreis an. Die einzigen nennenswerten Aktionen in der Vergangenheit waren der jährliche Protest am »Tag der Befreiung« (08. Mai) gegen das Ende des Zweiten Weltkrieges, ein »Heldengedenken« am Volkstrauertag 2007 mit Mitgliedern des »Bundes der Vertriebenen« (BdV) auf dem Friedhof in Mühlhausen sowie unregelmäßige Kreisverbandstreffen und Neujahrsempfänge.

Mittlerweile führt Sebastian Böde, nach eigenen Angaben Landwirt, den Kreisverband und versucht, ihn neu zu strukturieren und über seine Kreisgrenzen hinaus zu vertreten. Der Verband verfügt seit einigen Monaten auch über eine eigenständige Internetseite und hat seinen Sitz im sogenannten »Bürohaus Europa« in Bad Langensalza. Böde arbeitet zudem als Redakteur an dem NPD-Zeitungsprojekt »Nordthüringen Bote« mit, der in dem Landkreis in geringer Stückzahl verteilt wird. Das Blatt wird zusammen mit den NPD-Kreisverbänden Nordhausen und Kyffhäuserkreis erstellt.

Seit Sommer 2010 existiert mit dem »Bürohaus Europa« in Bad Langensalza eine NPD-Immobilie, die unter anderem für Rechts-Rock-Konzerte oder Liederabende mit dem Neonazi-Sänger Frank Rennicke genutzt wird. Darüber hinaus nutzen der »Materialdienst« der Bundes-NPD und die Redaktion der NPD Zeitung »Nordthüringen Bote« die Räumlichkeiten. Patrick Wieschke hat als stellvertretender Vorsitzender der NPD-Thüringen sein Büro ebenfalls im »Bürohaus Europa« eingerichtet. Wenn es nach den derzeitigen Mietern geht, sollen in dem Gebäude auch Übernachtungsräume und ein Tagungsraum eingerichtet werden. Des Weiteren sollen Schulungen, Konzerte und Landesparteitage der NPD stattfinden.

Von einer gefestigten Szene neonazistischer »Kameradschaften« kann im Unstrut-Hainich-Kreis keine Rede sein. Aber es gibt lose Zusammenhänge von neonazistischen Jugendlichen, die über Kontakte in die Regionen Gotha, Erfurt, Eichsfeld und nach Chemnitz verfügen. Zudem gibt es immer wieder Angriffe auf andere Jugendliche und das »Alternative Jugendzentrum Unstrut Hainich« (AJUH) in Bad Langensalza.

Redaktionskollektiv »NIP-Thüringen«, 05. März 2011