NPD – Reiche, Sebastian

Profil

Name: Reiche

Vorname: Sebastian

Jahrgang: 1983

Wohnort: Siebleben bei Gotha

Parlament: Kreistag Gotha

Ausschuss: Keiner

vertreten seit: Kommunalwahl 07. Juni 2009

Status: Gruppe

Allgemeine Informationen

Sebastian Reiche sitzt seit den Kommunalwahlen 2009 für die NPD im Kreistag Gotha. Seit 2006 ist er Vorsitzender des NPD-Kreisverband Gotha und ist als »Leiter der Öffentlichkeitsarbeit« im Landesvorstand der NPD-Thüringen für das »Referat Bildungspolitik« zuständig.
Neben seiner parlamentarischen Arbeit ist der Dipl.-Medienwissenschaftler aktiv in dem extrem rechten »Thüringer Aktionsbüro«, sowie im »Thüringer Heimatschutz« und tritt seit 2003 auf zahlreichen Neonazi-Veranstaltungen als Anmelder und Organisator in Erscheinung. Er pflegt Kontakte zur Thüringer Kameradschaftszene und betreibt sog. Anti-Antifa-Recherchen, indem er intensiv persönliche Daten von NazigegnerInnen sammelt und auswertet.
Zusammen mit dem Jenaer NPD-Funktionär Ralph Wohlleben organisiert er für Neonazievents einen landesweiten »Ermittlungsausschuss«.
Reiche ist Chefredakteur für das NPD-Zeitungsprojekt »Der Renntsteig Bote«, welchen er mit Mitgliedern des Nationalen Wiederstandes Gotha im Umkreis von Gotha verteilt.

14. Februar 2011

Öffentliche Förderung für NPD-Funktionär

Mehr als 5.700 Euro öffentliche Fördermittel wurden dem NPD-Kreistagsabgeordneten und Vorsitzenden der NPD im Kreis Gotha, Sebastian Reiche, durch das Thüringer Wirtschaftsministerium zur Gründung einer Werbeagentur ausgezahlt. Mit der 2010 von ihm gegründeten Agentur »Leitbild Medien« war der Medienwissenschaftler laut Medienberichten auch für den Thüringer Landesverband der NPD tätig. [1]

Im September 2010 erhielt Reiche von der »Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen mbH« (GFAW) eine zweckgebundene Zuwendung über insgesamt 7.200 Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, von denen bisher 5.760 Euro an den Neonazi ausgezahlt wurden. Die öffentliche Finanzierung »erfolgte auf der Grundlage der Richtlinie über die Gewährung von Zuschüssen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und/oder des Freistaats Thüringen zur Unterstützung beim Aufbau und der Sicherung junger Unternehmen«, wie das Thüringer Wirtschaftsministerium nun mitteilte [Drucksache 5/2167 des Thüringer Landtages, 17.01.2011]. Nachdem Medien über die Finanzierung des Nazikaders aus öffentlichen Mitteln berichtet hatten, hat das Wirtschaftsministerium die nun GFAW angewiesen, einen Widerruf des Zuwendungsbescheides zu prüfen und die bereits gezahlten Mittel gegebenenfalls zurückzufordern.

Die öffentliche Förderung von Neonazi-Kadern ist in Thüringen kein Einzelfall. Bereits Ende der 1990er Jahre hatte das Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit die Verlagsgründung eines bekannten Neonazis, NPD-Funktionärs und Spitzels des Verfassungsschutzes mit etwa 20.000 Mark Existenzgründungsbeihilfe aus Steuergeldern gefördert. [2] [3] Die GFAW teilte unterdessen mit, sie habe vor der Bewilligung des Förderantrages des Neonazis Reiche ein Auskunftsersuchen über ihn an den Verfassungsschutz gestellt, aber keine Antwort erhalten.

Mittlerweile hat das Thüringer Wirtschaftsministerium Reiche aufgefordert, 5.760 Euro Fördermittel zurück zu zahlen. Aus der GFAW hieß es, mit den Mitteln sei indirekt die Arbeit der NPD unterstützt worden. Das laufe dem Förderzweck zuwieder [Quelle: TLZ 14.02.2011].